Die Trauerfeier fand am 4. Februar 2016 auf dem Friedhof Westhausen in Frankfurt am Main statt.

Traueranzeige Uli Rügner

 

Norbert Saßmannshausen auf der Trauerfeier für Uli Rügner:

Liebe Angehörige, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen von Uli Rügner.

Vor ungefähr 15 Jahren suchte ich für die Denkbar, den Philosophentreff in der Frankfurter Schillerstraße, für eine geplante Veranstaltung einen Pianisten. Marlis Rücker verwies mich auf einen Musiker, der in einem Theater in der Brotfabrik in Hausen in einem Stück mitspiele und den ich mir doch einmal ansehen bzw. anhören sollte. Ich besuchte das Theater, sah Barbara Englert und Uli Rügner – traf mich mit ihnen und Wolfgang Spielvogel danach bei Brot und Wein und – wurde über kurz oder lang vom Theater, zunächst unter dem Namen Primadonna/Schwerer Held, dann als Mitgründer des FAT, des Frankfurter Autoren Theater, verschlungen.

Uli Rügner sah, besser, erlebte ich in den Jahren danach immer wieder auf den quietschenden Brettern im Theater in Hausen.

Am Klavier, auf dem Klavier, hinter dem Klavier.

In Stücken von F. K. Waechter, von Silke Scheuermann, Thea Dorn, Wolfgang Spielvogel und Urs Widmer. Überall da, wo er expressiv und/oder still-verzweifelt „da stand“, da saß, da war : Ein Typ, ein besonderer Mensch mit einem Lebensweg, ein besonderer Mensch, den es auf die Bühne verschlagen hatte.

Den Musiker, den Rezitator habe ich für die Denkbar und das Nachfolge-Projekt DenkArt mehrfach gewinnen können. U. a. vertonte er 2005 für die Eröffnung des Wiesengrund im Finkenhof ein Robert Gernhardt-Gedicht. Dort heißt es „Der Wal hat Recht: Die Welt ist schlecht.“

Und in meinem Kopf entstand mit ihm als Darsteller eine Szene, ein Film über einen alten Linken, an der Theke des Hesseneck oder Tannenbaum sitzend, mit dem Hut tief im Gesicht, vor einem, vor zwei, vor drei Glas Bier. Schweigend und ins Selbstgespräch vertieft: Alles hat er überlebt, den Suff, die Hoffnung, die RAF, die Frauen, den realen Sozialismus, die Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Solidarität, alles hat er überlebt und jetzt, jetzt bleibt nur der Weg zur Musikbox in der Ecke, dort schläft die Musik. Die Musik ist geblieben, jetzt steht er auf und wird die Tasten C23 drücken, wie damals, als er in die Stadt kam…

… aber die Musikbox gibt es nicht mehr, auch kein Klavier. „The music is over“.

Good bye, Uli!

 


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