Wer sich Bockenheim nähert, kann das eigentlich nur auf eine Weise:
Egal ob er vom Bahnhof oder der Hauptwache kommt, er muß über die Bockenheimer Warte, die schon im Mittelalter die tapferen Einwohner vor den wiederholten Überfällen der Frankfurter schützte, und zwar so erfolgreich, daß Bockenheim im Unterschied zur eigentlichen Metropole bis heute im Wesentlichen kulturell erhalten blieb. Der nachhaltige Erfolg dieser Verfremdungsabwehr zeigt sich schon darin, daß ganz Bockenheim keine einzige Äppelwoikneipe aufweist.
Ein Zitat aus unserem Bockenheim-Beitrag von Thomas Blanke (siehe rechts in der Menüleiste). Ein von uns entdecktes literarisches Dokument, 1990 gedruckt und heute erneut absolut lesenswert. Damit wir wissen, was Bockenheim war und ist. Ein Text, der prophetisch präzise und historisch genau ist. So schreibt Thomas Blanke über die Uni in Bockenheim (und da hatte noch niemand an einen Westend-Campus oder einen sogenannten Cultur-Campus-Bockenheim (CCB) gedacht):
Die Uni machte sich so gesichtslos, fast unsichtbar, als sei Geist etwas, was man hat, aber nicht zeigt. Das wenige was sich hätte zum Vorzeigen eignen können, die Fassade des Hauptgebäudes etwa, wurde während meines Studiums in den sechziger Jahren konsequent zugebaut. Eine Stadt, die so mit ihrer Uni umgeht, bringt natürlich auch das nicht hervor, was heute überall drangeklebt wird: die zugehörige Kultur. Studenten, gar Studentenviertel, sucht man in Frankfurt vergebens. Bockenheim jedenfalls hat sich stets geweigert, diese Rolle zu übernehmen und seine eigene Geschichte zugunsten der eines Frankfurter Studentendorfes einzutauschen. Nicht, daß es dazu zu geistlos gewesen wäre, eher im Gegenteil. Aber wenn die Frankfurter schon nicht wissen, ob sie eine Uni haben, werden sich die Bockenheimer doch nicht einfallen lassen, darauf die Antwort zu geben …